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Wissen, dass es uns gibt - Gespräch mit Zhang Yunqing

2022-02-28 10:39 Ökopark

@Wang Chaolu


Wissen, dass es uns gibt

Gespräch mit Zhang Yunqing


Zhang Yunqing ist der neue „Außenminister“ des Ökoparks. Seit Ende 2021 ist er als stellvertretender Vizepräsident des Verwaltungskomitees für den Bereich internationale Zusammenarbeit und Industrieförderung zuständig. Zuvor hat der im Jahr des Tigers (1974) geborene Jurist 25 Jahre an verschiedenen Positionen in Qingdao die Zusammenarbeit mit dem Ausland mitgestaltet, zuletzt im Büro für Außenbeziehungen der Stadtregierung. Dafür wurde er vom chinesischen Außenministerium im Dezember geehrt.


Herr Zhang, Ende 2021 wurden Sie als Vizepräsident des Verwaltungskomitees des Deutsch-Chinesischen Ökoparks berufen. In dieser Funktion sind Sie unter anderem der „Außenminister“ des Ökoparks und für die Gestaltung der internationalen Kooperationen verantwortlich. Was haben Sie sich für die kommenden Monate vorgenommen?

Lassen Sie mich vorausschicken: Ich bin hier nicht nur für die Gestaltung der internationalen Zusammenarbeit verantwortlich, sondern auch für die Industrieförderung und die Gestaltung der Rahmenbedingungen, dass Unternehmen, die sich hier ansiedeln, erfolgreich agieren können. Dafür bringe ich zweieinhalb Jahrzehnte Erfahrungen mit. Nach meinem Studium an der Zhenfa-Universität, der Chinesischen Hochschule für Politische Wissenschaften und Recht, habe ich 1996 im Büro für Außenbeziehungen der Qingdaoer Stadtregierung angefangen zu arbeiten, sozusagen in unserem lokalen „Außenministerium“. Später war ich unter anderem im Shi-nan-Bezirk für die Außenwirtschafts- und Handelsbeziehungen zuständig. Der Ökopark ist mir aus meiner Tätigkeit als Leiter der Europa-Afrika-Abteilung in Qingdaos Außenamt gut vertraut. Ich kann viele Erfahrungen für die Zukunft des Deutsch-Chinesischen Ökoparks einbringen. Auch meine Kenntnisse, die ich beim Studium der Verwaltungsrechts an der Universität von Colorado, Denver, erworben habe.

Was nun die Gestaltung der internationalen Zusammenarbeit in den kommenden Wochen und Monaten betrifft, denke ich, dass für uns als Deutsch-Chinesischer Ökopark, dessen Gründung auf eine Vereinbarung zwischen den Regierungen Deutschlands und Chinas zurückgeht, der 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern im Mittelpunkt stehen wird. Um dieses Jubiläum zu würdigen, planen wir eine ganze Serie größerer und kleinerer Veranstaltungen. Ich gehe davon aus, dass es etwa zehn sein werden.


Was konkret?

Im vergangenen Jahr hatten wir hier in Qingdao die Vertreter deutscher Unternehmen begrüßt, die im Rahmen der „Xplore Qingdao“-Initiative der Deutschen Auslandshandelskammer in China unsere Stadt erkundet haben, darunter den Deutsch-Chinesischen Ökopark. In diesem Jahr wollen wir uns an der von der Deutschen Kammer in China organisierten Aktion „Discover Germany“ beteiligen, um noch mehr deutsch-chinesische Geschäftschancen zu erschließen. Wir sind mit der Kammer, dem Außenamt der Stadt, dem Handelsbüro und anderen Einrichtungen im Gespräch, wie wir uns daran beteiligen können.

Des Weiteren planen wir in Peking oder Shanghai eine „Qingdao-Nacht“, um den in diesen Städten ansässigen deutschen Unternehmen den Standort Qingdao und vor allem den Ökopark als Investitionsalternative zu präsentieren. Für die „Qingdao-Nacht“ wollen wir die Freundschaftsgesellschaft und andere wichtige Organisationen mit ins Boot holen.

Dieses Jahr werden wir noch eine ganze Reihe von durch die AHK organisierten Charterflügen für Geschäftsleute in Qingdao begrüßen. Bisher ist das Echo der Geschäftsleute, die hier in Qingdao in der obligatorischen Quarantäne sind, sehr positiv. Das hilft dem Image unserer Stadt. Die Betreuung der Charterflüge werden wir noch stärker als Möglichkeit nutzen, um für den Wirtschaftsstandort Qingdao zu werben. Davon kann auch der Ökopark profitieren.

Im Übrigen feiern wir in diesem Jahr nicht nur den 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und China. In diesem Jahr jährt sich außerdem zum zehnten Mal der offizielle Baustart des Deutsch-Chinesischen Ökoparks.


Das alles sind Veranstaltungen, die sich um das Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen drehen. Wie kann aber die Deutsch-Chinesische Ökopark künftig noch internationaler werden?

Wir werden unser Profil weiter schärfen müssen. Die Gründungsidee unserer beiden Regierungen war, hier ein Gewerbegebiet aufzubauen, das sich durch kohlenstoffarmes, nachhaltiges und grünes Wirtschaften auszeichnet. Das ist die Besonderheit des Deutsch-Chinesischen Ökoparks, seine Einzigartigkeit, sein Markenzeichen. Seitdem die Regierungen Deutschlands und Chinas 2010 die Absichtserklärung für den Aufbau des Ökoparks unterzeichnet haben, haben wir diese Prinzipien hochgehalten. Das werden wir weiter tun und ausbauen. Umweltschutz ist ein wichtiger Teil der deutsch-chinesischen Kooperation und der Zusammenarbeit mit Europa. Wir als Deutsch-Chinesischer Ökopark können dazu beitragen. Grün, nachhaltig und kohlenstoffarm müssen künftig noch stärker zum Leitmotiv unserer Entwicklung und des Ausbaus der internationalen Kooperationen werden. Wir haben Vorzüge. Diese müssen wir stärker zur Geltung bringen, damit sich hier noch mehr deutsche und andere ausländische Unternehmen ansiedeln.


Bitte nehmen Sie mir es nicht übel, aber Sie sprechen wie ein Politiker. Hier geht es aber um ganz konkrete, praktische Arbeit. Unser Gewerbegebiet wurde als Deutsch-Chinesischer Ökopark gegründet, was nicht heißt, dass es ausschließlich für die Ansiedlung deutscher und chinesischer Unternehmen vorgesehen ist. Wir haben ein internationales Umfeld. Das ist gut. Wenn wir es aber mit anderen Regionen Chinas vergleichen, ist die Konzentration deutscher Unternehmen zehn Jahre nach Beginn des Baus des Ökoparks doch recht gering. Was wollen Sie anschieben, dass noch mehr deutsche Firmen von den hiesigen Rahmenbedingungen angezogen fühlen?

Vor allem müssen wir unsere Anstrengungen verstärken, dass wir in Deutschland noch bekannter werden. Ich glaube, da haben wir noch viel Raum. Unternehmen müssen wissen, dass es uns gibt, sie müssen wissen, welche Besonderheiten wir haben, welche Möglichkeiten für ihre Entwicklung hier bestehen, erst dann werden sie überlegen, ob sie sich hier im Ökopark möglicherweise engagieren wollen.

Auf der anderen Seite müssen wir selbst internationaler werden – in jeder Hinsicht. Soweit ich weiß, gibt es in ganz China um die 50 Gewerbegebiete, die sich die Zusammenarbeit mit Deutschland auf die Fahnen geschrieben haben. Im Deutsch-Chinesischen Ökopark haben sich mehr als 30 Unternehmen aus Deutschland angesiedelt. Wenn ich von der Optimierung des internationalen Umfelds spreche, meine ich, dass wir hier Bedingungen schaffen müssen, damit die Unternehmen nicht nur erfolgreich produzieren und ihre Geschäfte entwickeln können. Sie müssen hier auch Wurzeln schlagen können. Wurzeln schlagen sie aber nur, wenn sie hier ein lebenswertes Umfeld finden.

Ich würde es so formulieren: Das Umfeld für eine optimale Produktion ist die Hardware, das Umfeld für ein angenehmes Leben – das ist die Software, die wir weiter vervollkommnen müssen: Kultur, Freizeit, Sport, Kindergarten und Schule, medizinische Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten. Wenn sich ausländische Experten bei uns wohlfühlen, und dieses Gefühl auch nach außen tragen, ist das für den Ökopark die beste Visitenkarte, die beste Werbung.


Es ist jedoch nicht einfach, diese Botschaften nach außen zu tragen, wenn die Menschen nicht herkommen können.

Das stimmt freilich. Wir müssen Wege finden, uns mehr auszutauschen, am besten persönlich. Das war in den vergangenen mehr als zwei Jahren infolge der Corona-Pandemie nahezu unmöglich. Deutschland und andere Länder haben ja inzwischen beschlossen, die pandemiebedingten Einschränkungen schrittweise zu ändern. Möglicherweise können wir uns in nicht zu weiter Ferne doch wieder im direkten, im persönlichen Gespräch gegenüberstehen.


Solange China die Einreise sehr streng handhabt, ist das kaum vorstellbar.

Wir werden es genau beobachten und haben immer noch die Möglichkeit zu Online-Treffen, die wir noch intensiver nutzen müssen, um uns mit unseren deutschen Freunden auszutauschen.



© pt



Eine Investitionsentscheidung wird aber sicherlich nicht online getroffen. Die Unternehmer wollen sehen, wohin ihr Geld fließt. Das dürfte insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen zutreffen. Das Lebensumfeld ist das eine, die Rahmenbedingungen sind das andere. Wo muss an der Hardware, wie Sie es nannten, noch stärker justiert werden, um für deutsche Firmen attraktiver zu werden?

Ich denke schon, dass es um das Makroumfeld geht. Die meisten Unternehmen aus Deutschland sind bekanntlich im Jangtsedelta konzentriert. Womit zeichnet es sich aus? Durch eine Wertschöpfungskette, die den Bedürfnissen der Unternehmen entspricht. Eine vollkommene Wertschöpfungskette sichert auch die Beschaffung und den erfolgreichen Vertrieb. Darüber hinaus verfügt die Region über ein hohes Potenzial gut ausgebildeter Fachkräfte, sowohl für die Produktion als auch für das Management. Wir müssen die Erfahrungen dort genau analysieren und für uns anpassen.


Im Vergleich zu anderen Gewerbegebieten hat doch aber der Deutsch-Chinesische Ökopark gerade in die Ausbildungsinfrastruktur gezielt investiert. Es gibt Berufsschulen, technische Schulen, selbst technische Hochschulen, die für den Bedarf der Unternehmen ausbilden. Gibt es hier tatsächlich ein Personalproblem?

Da müssen wir uns die dominierenden Branchen anschauen. Vier haben wir im Gewerbegebiet: Produktion von integrierten Schaltkreisen, Gesundheitswirtschaft, intelligente Fertigung sowie Energieeffizienz und Umweltschutz. Einige Branchen sind arbeitsintensiv, andere sind forschungsintensiv. Aber selbst in Forschung und Entwicklung ist der Bedarf an Arbeitskräften hoch. Wir stehen selbstverständlich mit anderen Regionen des Landes im Wettbewerb um die besten Köpfe. Deshalb ist es besonders wichtig, bei uns die bereits erwähnte Software, das Arbeits- und Lebensumfeld, weiter zu verbessern. Gerade auch, weil wir in Qingdao möglicherweise beim Einkommensniveau mit anderen Orten nicht mithalten können. Wir müssen attraktiv sein, damit die besten Ingenieure und Forscher zu uns kommen wollen. Gleichzeitig müssen wir aber auch alles tun, um hier im Ökopark die von den Unternehmen benötigten Spitzenkräfte auszubilden. Ende des vergangenen Jahres wurde die Deutsch-Chinesische Technische Fachschule Qingdao genehmigt und sie wird gebaut. Im nächsten Schritt wird die Gründung einer Deutsch-Chinesischen Technischen Hochschule aktiv vorangetrieben.


Eine letzte Frage, der Think Tank des Ökoparks, das Deutsch-Chinesische Beratergremium, hat schon zwei Jahre nicht mehr getagt. Findet angesichts der von Ihnen erwähnten beiden Jubiläen dieses Jahr eine Tagung statt? 

Das haben wir uns für die zweite Jahreshälfte fest vorgenommen. Ort und Zeitpunkt stehen noch nicht fest. Aber wir gehen von einer Hybrid-Veranstaltung, die sowohl on- als auch offline stattfinden wird. Mit Zhang Yunqing sprach Peter Tichauer

Verwaltungskomitee des Deutsch-Chinesichen Ökoparks Qingdao No.2877, Tuanjie Lu, West Coast New Area, 266426 Qingdao, China ©2018 Deutsch-Chinesischer Ökopark Qingdao.